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Vorerst ein A als finster blickender Dolmen, dann ein pompöses B, seine beiden Wülste etwas unbedarft einer Stufenpyramide hinhaltend. Zu diesen gesellt sich das aufgerissene Maul des C, dann ein D, das allerdings auch kleingeschrieben, nein: kleingebaut sein darf, etwa in Gestalt eines steinernen Throns. Was hat es mit solcherlei Architekturen auf sich? Sind sie, wenn schon in Buchstabenform, gleichermaßen buchstäblich? Der Zeichner, der auf eindimensionale und explizite Auslegungen geradezu allergisch ist, würde es verneinen. Man nehme also den zeichnerischen Akt selbst unter die Lupe.
Schon in den glücklicheren 1970er Jahren hatte Bogdanović etliche Briefe in einer unbekannten Sprache und in unbekannten Lettern an sich selbst geschrieben – eine Kryptographie, die für immer und ewig unerschließbar bleiben sollte. Es war wohl einer von jenen Momenten, in denen der surrealistische Ansatz unwillkürlich mit dem geistigen Diktat des Erbes harmonierte, bleibt doch auch in der Thora das Ablesen der Zeichen in richtiger Reihenfolge nur dem Allerhöchsten vorbehalten. Als Selbsttherapie war das Ganze noch nicht gedacht; vor allem wurzelte das Spiel in den liederlichen Grübeleinen eines müßigen Baumeisters, wie der schriftstellende Architekt sich selbst zu bezeichnen pflegte.
Zu Beginn der 1990er Jahre, während des ex-jugoslawischen Kriegs, wandelten sich die Vorzeichen. Bogdanović übernahm einen beachtlichen Part als Milošević-Gegner und Wiener Exilant und sah sich gezwungen, Ledoux’ Etikette architecte maudit seine eigene zu nennen. Auf der einen Seite stand nun die grässliche Handschrift der Städtezerstörer, auf der anderen – laut Bogdanović „zwecks Vertreibung der Dämonen der Melancholie“ – die Architektonik als lettrisches System. Denn es ging nicht bloß um die Frage, wie ein Buchstabe lautete, sondern auch darum, dass er „selbst dann lautete, wenn wir ihn nicht hörten“. Schwang da die pythagoräische Lehre mit, wenn auch nur in einer apokryphen Version? Dachte da der Architekt an jene Klänge der Sphärenharmonie, für die jeder Sterbliche taub bleibt? Eines Versuchs war die Schaffung der Architektonik als Epitome, als Erinnerungsstütze dazu, allemal wert. Der Meister selbst zieht den Schluss: „Diese Buchstabenparade stellte ein prononciertes Antigesellschaftsspiel dar, ein One-Man-Game, allerdings mit Nebenwirkungen gemeinnütziger und kathartischer Art.“ (Ivan Ristić)
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© Vera Grimmer
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