Architekturzentrum Wien  
 

 
 
Hintergrund 24
RUND UM DEN KIOSK

Shop Nr.: 7724
Preis: € 1,10
vergriffen
   
Erscheinungsjahr: 2004

256 Seiten mit 30 farbigen Abbildungen
Sprache: Deutsch
Verlag: edition selene, Wien
Herausgeber: Architekturzentrum Wien

Dem Kiosk haftet oft ein fragwürdiger Ruf an: mobil und klein, meist als Provisorium mit notdürftig angeschlossener Infratsruktur an den Randzonen der Stadt abgestellt, oft illegal bei Nacht und Nebel installiert, vom Erscheinungsbild den finanziellen und geschmacklichen Möglichkeiten des/der BesitzerIn entsprechend aus Fertigteilen zusammengebaut und über die Jahre erweitert, ist das Kleingebäude mitunter der Albtraum der Stadtgestalter schlechthin. Gute architektonische Lösungen findet man selten.

Auch die Stadtforscher haben sich bereits des Themas angenommen – eine Gruppe von Architekten und Soziologen startet demnächst mit Unterstützung der Deutschen Kulturstiftung eine Studie zum Thema „Kioskisierung” in Osteuropa. Folgt nach den Säuberungsaktionen der Innenstädte (Stichworte „Gentrifizierung” und „Disneyifizierung”) nun also die „Kioskisierung” der Städte? Und was soll man sich darunter jetzt wieder vorstellen? Schattenökonomie und subversive Taktiken findiger Kleinunternehmer, die als kleine aufrechte Helden inmitten vor sich hin schrumpfender Städte (zum Thema siehe Shrinking Cities) und nun nicht gerade blühender Landschaften wacker der Krise trotzen?

Die Texte umkreisen den Kiosk in verschiedenster Weise – beginnend mit einem historischen Abriss der Geschichte des Kiosks, von den Ägyptern bis zum Wandel zum kommerzialisierten Verkaufsstand der Neuzeit von der Soziologin Elisabeth Naumann und einer Studie des Stadtforschers Jon von Wetzlar (Urbane Anarchisten, Berlin) über die Kultur der Imbissbude und deren Funktion in der Stadt.

Der relativ wild zusammengewürfelte Literaturteil, bestehend aus Gedichten, Geschichten, Romanauszügen und Cartoons unterschiedlichster Autoren (und leider nur einer Autorin!) ist das Ergebnis eines Streifzuges durch mein Bücherregal, erweitert durch die Ergebnisse einer google-Suche von Andreas Egger und einem Donald-Duck-Heft aus dem Fundus von Johannes Porsch, und zeigt einen kleinen Einblick in die Stimmungen und Milieus rund um den Imbissstand, den Zeitungskiosk (als Versteck zum Beispiel hervorragend geeignet!), die Bretterbude am Straßenrand.

Es wird gegessen, naturgemäß viel getrunken, betrunken oder nüchtern weitergezogen, im Vorübergehen eingekauft, mit dem Auto daran vorbei gefahren. Ein Kiosk beleuchtet die Nacht, ein anderer wird kurzerhand umgekippt. Die Kalaschnikow spielt eine Hauptrolle in Peshawar, eine Nebenrolle in Moskau, Wladek mausert sich vom Verlierer zum gefragten Kleinunternehmer, während Tatarski aus dem Kiosk aus- und ins Big Business aufsteigt. Das Schlangestehen ist ein ebensolches Ärgernis wie das Verlustiggehen erstandener Gegenstände, ein italienischer Platz wird hysterisch, Rolltreppen werden panisch. Ein Inspektor macht Urlaub, ein Kommissar erledigt eifrig sein Tagesgeschäft, ein Bischof blickt voller Stolz auf seine heilbringende Tätigkeit am Krefelder Bahnhof zurück, Dagobert Duck bringt seine Eiscreme an den Mann und die spektakuläre Jagd nach einer Spenderleber nimmt ihr gutes Ende am Eingang der Notaufnahme des Wiener Allgemeinen Krankenhauses.

Zum Schluss wird noch ein letztes Krabbenbrötchen im Schein der untergehenden Sonne verdrückt, bevor die Machenschaften der nördlichsten Fischbude Deutschlands in guter alter Tradition des investigativen Journalismus gnadenlos aufgedeckt werden, die MOBAs ihre Schlägertrupps aussenden und Crystal Clear vor der Trafik frontal in ein Auto crasht.

Eigentlicher Anlass für dieses Themenheft war das Projekt der Kartenvertriebsfirma ÖsterreichTicket, mit dem Kiosk ein neues gestalterisches und kommunikatives Feld zu öffnen und jungen Architekten die Möglichkeit zu geben, ihre Ideen umzusetzen. Im vergangenen Dezember wurde in Zusammenarbeit mit dem Architekturzentrum Wien (Az W) ein österreichweiter Gestaltungswettbewerb ausgeschrieben, dessen erstes bauliches Ergebnis von GRMW Architektur nun vorübergehend im Hof des Az W, und in weiterer Folge in verschiedensten Stadtzentren in Österreich und den Nachbarländern Slowenien, Kroatien, Slowakei und Ungarn zu besichtigen und zu benutzen sein wird.

Aufgabe war es, ein multifunktionales, leicht transportierbares Stadtmöbel zu entwerfen, das als Informations-, Kommunikations-, und Verkaufssplattform einsetzbar ist, und gegenüber den üblicherweise im Stadtraum sich befindlichen Scheußlichkeiten einen ästhetischen und qualitativ hochwertigen Kontrapunkt setzt.

Ökonomische Basis für die Tour bildet der Verkauf von Eintrittskarten, erweitert wird das Kulturangebot am Kiosk durch die Einbeziehung lokaler Kulturinstitutionen, die den Kiosk als Veranstaltungs-, Ausstellungs- und Präsentationsfläche nutzen können. Eine Dokumentation der preisgekrönten Projekte in Text und Bild finden Sie ab S.50.
Isabella Marte

Inhaltsverzeichnis Hintergrund 24:
007 Vorwort
013 Elisabeth Naumann: Kiosk
026 Jon von Wetzlar: Drinnen und Draußen Fotos: Christoph Buckstegen
048 Heiße Würstchen
050 kiosk – Der Gestaltungswettbewerb
061 Fragen an die Preisträger
065 Bildteil: Die preisgekrönten Kioske
101 Jörg Fauser: Alles muss ganz anders werden
116 Jack Kerouac: New Yorker Geschichten
139 Heinz Rudolf Kunze: Am Kiosk
140 Chlodwig Poth: Spuck zurück im Zorn
142 Rolf Dieter Brinkmann: Rolltreppen im August
150 Stephan Alfare: Rotgelbe Pusteln
154 Stefan Beuse: Könige
159 Judith Hermann: Karlovy Vary
162 Karl Heinz Klopf: By Way of Display
164 Andrzej Stasiuk: Wladek
172 Viktor Pelewin: Draft Podium
204 Daniil Charms: Verluste
206 Leo Mallet: Inspektor Maigret
208 Helge Schneider: Kommissar Schneider flippt extrem aus
212 Max Goldt: Die Ansprache des Bahnhofsbischofs
217 Rolf Dieter Brinkmann: Hymne an einen italienischen Platz
219 Eiscreme
220 Donald Duck: Pfefferminzeis
222 Wolf Haas: Milka
230 Benjamin v. Stuckrad-Barre: Gastronomie
244 Franz E. Kneissl: Moba
251 Axel Laimer: Crystal Clear
254 Az W
256 Fin

© Az W 

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